Die aktuellen Obus-Probleme rechtfertigen keinen Systemwechsel
Die jüngsten Ausfälle zahlreicher Salzburger Obusse nach den schweren Unwettern sind zweifellos ernst zu nehmen. Sie müssen technisch untersucht und die Ursachen behoben werden. Was daraus jedoch keinesfalls folgt, ...
Die aktuellen Obus-Probleme rechtfertigen keinen Systemwechsel
Technische Probleme müssen gelöst werden – aber sie sind kein Argument gegen das Salzburger Obussystem
Die jüngsten Ausfälle zahlreicher Salzburger Obusse nach den schweren Unwettern sind zweifellos ernst zu nehmen. Fahrzeuge, die nach Starkregen durch Wassereintritt oder elektronische Probleme ausfallen, müssen technisch untersucht und die Ursachen behoben werden. Was daraus jedoch keinesfalls folgt, ist die politische Schlussfolgerung, das Salzburger Obussystem grundsätzlich aufzugeben.
Denn die entscheidende Frage ist noch gar nicht beantwortet:
Warum sind Fahrzeuge der jüngsten Generation unter diesen Bedingungen ausgefallen?
Die Ursache wird derzeit von Hersteller und externen Spezialisten untersucht. Solange diese Untersuchung nicht abgeschlossen ist, ist jede Aussage über eine grundsätzliche Untauglichkeit des Obussystems reine Spekulation.
Ein Fahrzeugproblem ist kein Systemproblem
Es wäre etwa so, als würde man nach einem technischen Defekt an einer neuen Straßenbahn die gesamte Straßenbahn abschaffen.
Der Obus ist seit Jahrzehnten ein Rückgrat des öffentlichen Verkehrs in Salzburg. Er ist elektrisch, lokal emissionsfrei und nutzt auf den stark belasteten Hauptachsen eine bereits vorhandene Energieinfrastruktur. Moderne Obusse verfügen darüber hinaus über Batterien und können damit auch oberleitungsfreie Strecken bewältigen.
Der oft behauptete Gegensatz zwischen „Obus“ und „Elektrobus“ ist deshalb längst überholt:
Der Obus ist selbst ein Elektrobus – mit direkter Energieversorgung während der Fahrt.
Gerade darin liegt ein wesentlicher energetischer Vorteil. Der Obus muss die für den laufenden Betrieb benötigte Energie nicht vollständig als großen und schweren Energiespeicher mitführen. Die Batterie kann kleiner dimensioniert werden und vor allem dort zum Einsatz kommen, wo keine Oberleitung vorhanden ist.
Salzburg besitzt etwas, das andere Städte erst aufbauen müssen
Salzburg verfügt bereits über ein ausgebautes Oberleitungsnetz. Dieses Netz ist eine enorme Investition und ein wesentlicher Bestandteil der elektrischen Verkehrsinfrastruktur der Stadt.
Wer dieses Netz nun schrittweise durch Batteriebusse ersetzen will, muss deshalb eine einfache Frage beantworten:
Warum soll eine vorhandene elektrische Energieversorgung aufgegeben werden, um stattdessen große Energiespeicher in jedes einzelne Fahrzeug einzubauen und zusätzliche Ladeinfrastruktur schaffen zu müssen?
Batteriebusse können sinnvoll sein – insbesondere auf Linien und Strecken ohne Oberleitung. Aber daraus folgt nicht, dass sie den Obus ersetzen müssen.
Die Zukunft kann vielmehr in einer intelligenten Kombination liegen: Oberleitungsbetrieb auf leistungsintensiven Hauptachsen, Batteriebetrieb auf geeigneten oberleitungsfreien Abschnitten.
Die Schweizer Studie (2024) sagt etwas anderes
Besonders bemerkenswert ist die aktuelle politische Diskussion vor dem Hintergrund der von Stadt Salzburg, Land Salzburg und Salzburger Verkehrsverbund beauftragten Schweizer ÖV-Grundkonzeption.
Die Studie des Zürcher Planungsbüros mrs partner empfiehlt ausdrücklich einen etappenweisen Ausbau des bestehenden Oberleitungsbussystems.
Gefordert werden unter anderem eine stärkere Bevorrechtigung des öffentlichen Verkehrs, zusätzliche Busspuren, bessere Taktangebote und Maßnahmen zur Beschleunigung des ÖV.
Damit wird auch das eigentliche Problem Salzburgs deutlich:
Der Obus ist nicht zu langsam, weil er an einer Oberleitung hängt. Er ist zu langsam, wenn er gemeinsam mit dem Autoverkehr im Stau steht.
Die Antwort darauf kann deshalb nicht die Abschaffung der Oberleitung sein. Die Antwort muss lauten: Öffentlicher Verkehr braucht Vorrang.
Salzburg braucht mehr öffentlichen Verkehr – nicht weniger
Salzburg hat sich das Ziel gesetzt, den Anteil des öffentlichen Verkehrs deutlich zu erhöhen und den Autoverkehr zu reduzieren. Dafür braucht es ein leistungsfähiges Rückgrat.
Dieses Rückgrat besteht nicht aus einzelnen Fahrzeugen, sondern aus einem funktionierenden Gesamtsystem: dichte Takte, zuverlässige Anschlüsse, eigene Fahrspuren, Ampelvorrang, leistungsfähige Fahrzeuge und eine intelligente Vernetzung von Obus, Regionalbus und Bahn.
Wer angesichts der aktuellen technischen Probleme den Obus abschaffen will, verwechselt deshalb Ursache und Wirkung.
Wenn ein Fahrzeug ausfällt, muss das Fahrzeug verbessert werden. Wenn eine Oberleitung einen technischen Defekt hat, muss die Infrastruktur instandgesetzt werden. Daraus folgt nicht, dass das gesamte Verkehrssystem abgeschafft werden muss.
Jetzt braucht es Aufklärung statt (politische) Schnellschüsse
Die aktuellen Unwetterereignisse müssen zum Anlass genommen werden, die Widerstandsfähigkeit der Fahrzeuge und der Infrastruktur gegenüber zunehmenden Extremwetterereignissen zu überprüfen.
Warum kam es bei der jüngsten Fahrzeuggeneration zu diesen Ausfällen? Welche konstruktiven Verbesserungen sind erforderlich? Wie kann die Elektronik besser gegen Wassereintritt geschützt werden? Und wie kann die Oberleitungsinfrastruktur noch resilienter gemacht werden?
Das sind die Fragen, die jetzt beantwortet werden müssen.
Nicht die Frage, wie man ein bewährtes elektrisches Verkehrssystem möglichst schnell abschafft.
Salzburg hat mit seinem Obusnetz einen unschätzbaren Vorteil: Die elektrische Infrastruktur ist bereits vorhanden. Sie sollte nicht als Altlast betrachtet, sondern als Grundlage für die nächste Generation des öffentlichen Verkehrs genutzt werden.
Die aktuellen Probleme sind ein Auftrag zur technischen Verbesserung – aber kein Auftrag zum Systemwechsel.
Salzburg braucht mehr leistungsfähigen öffentlichen Verkehr.
Und dafür braucht Salzburg einen starken Obus.
Presseaussendung des Vereins - Die Rote Elektrische
An die werten Redaktionen: Wir freuen uns, wenn Sie diese Pressemeldung in Ihrer Berichterstattung berücksichtigen und gegebenenfalls weiterverbreiten.
Text | Verein: Die Rote Elektrische Bilder | in-motion.me
Bürgermeister: Aus für Obusse absehbar
Die massiven technischen Probleme der neuesten Salzburger Obusgeneration nach einem Starkregen haben die Diskussion über das Verkehrsmittel neu entfacht. Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) sieht sich in seiner kritischen Haltung bestätigt und will schon in naher Zukunft auf flexible und zuverlässige Batteriebusse setzen.
Auinger gegen den Obus
Der Bürgermeister von Salzburg will den Obus abschaffen. Den S-Link hat er schon verhindert und versorgt nun Albus brav mit bestellten Kilometern auf Linien und Strecken, die sonst der Obus bedient. Freunderlwirtschaft ...?
Und noch etwas weil es leider dazu passt ...
Die unbequeme Wahrheit über Transformation | Maja Göpel | DE/CODED | Terra X Lesch & Co