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Zukunft der Murtalbahn sollte mit falschen Zahlen in Frage gestellt werden

22. September 2021, 10:00 Uhr von Richard Fuchs

Wenn jetzt in der Steiermark ein Landespolitiker unrealistische Zahlen, mit der Zahl „3“ multipliziert nennt, müssen die Alarm-Glocken klingeln und es ist daher notwendig diese Zahlen zu hinterfragen. Die Zeit der Polemik muss vorbei sein.

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Wie die letzte Zeit gezeigt hat, lassen Äußerungen zum Schienenverkehr steirischer Spitzenpolitiker nichts Gutes vermuten. Bis Salzburg hallte die Drohung des Steirischen Landeshauptmannes die Murtalbahn einstellen, sprich zerstören, zu wollen. Glücklicherweise hat die Salzburger Landespolitik sofort und vehement dieses Ansinnen zurückgewiesen. Die schleichende Aushungerung der Gleichenberger Bahn, seit 1988 wird an der Vernichtung dieser Bahn durch die Politik gearbeitet, wird immer noch mit Argumenten vorangetrieben, die nichts mit der Realität zu tun haben!

Eine Besonderheit in Österreich, die Landesbahnen v.l. Übelbacherbahn, Murtalbahn, Gleichenberger Bahn als Teile der Steiermärkischen Landesbahnen.

Offensichtlich glaubt man in Graz, den Bürgern jeden Unsinn reindrücken zu können. Wenn Politikern die Argumente ausgehen und sie trotzdem ihren Willen durchsetzen wollen, müssen sie auf die Unwissenheit der Bevölkerung vertrauen. Das Problem dabei ist, dass in der Steiermark ausgerechnet an der Uni Graz und an der Fachhochschule in Kapfenberg Eisenbahn-Experten ausgebildet werden, die, für die Politiker unangenehm, deren Behauptungen leicht überprüfen und widerlegen können.

Solche Leute, wie auch die vielen tausend Eisenbahner in ganz Österreich, schütteln ihre Köpfe, wenn, wie letzte Woche der Verkehrslandesrat Lang allen Ernstes der staunenden Allgemeinheit eine Rechenspielerei zu wissen kundgetan hat, die es so gar nicht geben kann. Da ist allen Ernstes in der Kronenzeitung zu lesen gewesen, dass die Elektrifizierung der Murtalbahn nicht nachvollziehbare 350 Millionen Euro kosten soll. Das entbehrt jegliche Grundlage!

„Rechenkünstler“ sind wenig hilfreich!

Vor einigen Jahren hat sich auch, politisch ermuntert, in Salzburg ein „Rechenkünstler“ zu profilieren versucht, in dem er die Kosten für das Projekt „Regionalstadtbahn Salzburg“ mit „3“ multipliziert und die prognostizierten Fahrgastzahlen durch „2“ dividiert hat. Es war sehr bald klar, dass die Zahlen falsch sind und die Politik hat erkannt, dass das Projekt notwendig ist.

Wenn jetzt in der Steiermark ein Landespolitiker unrealistische Zahlen, mit der Zahl „3“ multipliziert nennt, müssen die Alarm-Glocken klingeln und es ist daher notwendig diese Zahlen zu hinterfragen. Selbst wenn man die berühmten „goldenen Türklinken“ in die Zahlen hineinrechnet und man großzügig die realistischen Zahlen aufrundet, kommt man bei der Elektrifizierung der Murtalbahn maximal auf Infrastrukturkosten plus Fahrzeuge auf unter 110 Millionen Euro, das bekanntlich ein Drittel der genannten 350 Mio € ist.

Protest-Sonderzug 29. August 2021 für den Erhalt der Lokalbahn Feldbach - Bad Gleichenberg, Demonstration im Bahnhof Feldbach

Die geplante Zerstörung der Gleichenberger Bahn hat schon gezeigt, dass in der Steiermark angeblich händeringend an Finanzierungsmitteln für die Eisenbahnen gesucht wird, während gleichzeitig hartnäckig die im Privatbahn-Gesetz gesetzlich vorgesehenen Bundesmittel aus dem Mittelfristigen Investitions-Programm MIP des Bundes totgeschwiegen werden. Die Gründe für das Ignorieren dieser Finanzierungsmittel in der Steiermark sollte man grundlegend recherchieren. Es lässt den Verdacht aufkommen, dass die steirische Politik emotionsgeladen die Eisenbahnen, v.a. die der Steiermärkischen Landesbahnen finanziell aushungern will und dass dahinter Methode steckt! Mehr noch, anscheinend will man die Steiermärkischen Landesbahnen loswerden, ohne Rücksicht auf die Versorgungssicherheit durch Mobilität für die Bevölkerung. Busse sind keine Alternative!

Rückkehr zur Sachlichkeit ein Gebot der Stunde

Schienenverkehr ist die Mobilität der Zukunft, sei es im Blickwinkel zur Klimakrise, als auch zur Logistik-Krise (STAU) im Straßenverkehr. Man sollte diese Themen völlig unaufgeregt diskutieren und dazu wieder Experten mit einbeziehen, die die Alternativen kennen und auch herstellen können. Dabei ist der Schienenverkehr die leistungsfähigste Alternative und daher ist diesem Verkehrssystem der Vorrang zu geben. Nachdem weltweit dieser Trend längst angelaufen ist, sind Vorbildmodelle in großem Stil bekannt und auch die Kosten können übernommen werden.

Regionalstadtbahnen nach dem sog. "Karlsruher Modell" v.l.: Kassel Hbf, Karlsruhe - Bad Wildbad, Saarbahn Sonderfahrt Berchtesgaden

Die Modernisierung und Elektrifizierung der Murtalbahn ist finanzierbar

Die Modernisierung und damit die Elektrifizierung der Murtalbahn teilen sich die Bundesländer Steiermark und Salzburg nach dem Kilometer-Anteil der Strecke zu 66% Steiermark und 34% Salzburg. 50% der Investitionskosten werden aus dem MIP Mittelfristigen Investitionsprogramm des Bundes abgedeckt. Darin ist die Beschaffung der Fahrzeuge allerdings nicht enthalten. Diese relativ einmaligen Beschaffungskosten liegen in finanzierbaren Bereichen der beiden Bundesländer. Für die Steiermark fallen 47 Mio € und für Salzburg 24 Mio € inklusive Fahrzeuge an!

Die Kosten für die Elektrifizierung der Murtalbahn sind 47 Mio € real ein Siebentel der genannten polemischen Horrorzahl „350 Mio €“ für das Land Steiermark!

Sowohl die 47 Mio € für die Steiermark und die 24 Mio € für das Bundesland Salzburg, übrigens inklusive von 7 Triebwagen (dzt. 5 Bestand) sind für die beiden Bundesländer in einem leistbaren Bereich. Wenn es gelingt, die Fahrzeug-Beschaffung für die Pinzgauer Lokalbahn und die Murtalbahn in das VDV-TramTrain-Fahrzeugbeschaffungsprogramm einfließen zu lassen, werden die Fahrzeugkosten pro Fahrzeug ca. eine Million Euro pro Triebwagen billiger, weil dann kostet ein Fahrzeug nur mehr 4 Mio €! Das bringt in Summe 7 Mio € Einsparung.

Hochwasser im Oberpinzgau beeinträchtigt auch die Pinzgauer Lokalbahn. An einem langfristigen Hochwasserschutz wird gearbeitet. Seitens der Salzburger Politik stand keine Sekunde der Erhalt und die Wiedererrichtung außer Zweifel!

Die Zeit der Modernisierung und damit Elektrifizierung der Murtalbahn ist reif!

Die Zeit für Polemik sollte, ja muss, vorbei sein. der Der Schienenverkehr wird kommen. Dazu darf die Obersteiermark, speziell das Murtal nicht von der Mobilität der Zukunft abgehängt werden. Jetzt müssen die zuständigen Spitzenpolitiker in den Ländern Steiermark und Salzburg gemeinsam das Projekt „Zukunft mit Elektrifizierung“ anpacken und der Realisierung zuführen. Das Land Salzburg muss auch noch den Wiederaufbau und die Elektrifizierung der Pinzgauer Lokalbahn in dieses gemeinsame Zukunfts-Projekt einbringen und so rasch als möglich starten! Die Zeit ist reif!

VDV-TramTrain internationales Fahrzeug-Beschaffungsprogramm 2. Tranche Visualisierungen v.l.: Murtalbahn, Pinzgauer Lokalbahn, Gleichenberger Bahn