Dilemma „Eisenbahnen und Denkmalschutz“ - Teil 3 von 3

08. Mai 2021, 12:00 Uhr von Richard Fuchs

Die Achenseebahn wurde durch persönliches Machtstreben des wunderlichen Quartetts in der Tiroler Landespolitik der Zukunft beraubt. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, doch bei der Achenseebahn liegt sie bereits im Koma!

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Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, doch bei der Achenseebahn liegt sie bereits im Koma!

Die Achenseebahn wurde durch persönliches Machtstreben des wunderlichen Quartetts in der Tiroler Landespolitik der Zukunft beraubt. Durch fanatische Zerstörungs- und Verschrottungswut in Tirol wird es vermutlich nie wieder eine Achenseebahn geben, wie man sie gekannt hat. Man kann nur mehr auf vernunftbegabte Menschen von außerhalb von Tirol hoffen, v.a die Verkehrsministerin und die Kulturministerin, die sich den Bestrebungen von Icomos Austria, Europa Nostra und der Unesco-Weltkulturerbe-Kommission anschließen und doch noch einen Rest-Dampfbetrieb als Museumsbahn zu ermöglichen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, doch bei der Achenseebahn liegt sie bereits im Koma! Wenn Tirol keine zukunftsorientierte Mobilität will, wird sie halt im STAU ersticken (Achenseestraße) und keine moderne Schienenlösung für die Zukunft haben.

Fehlendes Fachwissen im Denkmalschutz gefährdet „Eisenbahnen“

Die 1957, also vor 64 Jahren, als „Einstellung“ verharmloste Zerstörung der weltbekannten SKGLB, der „Salzkammergut Lokalbahn“, auch „Ischlerbahn“ genannt, hatte einen letzten Höhepunkt am 5. Mai 2014, als das letzte verbliebene Bauwerk der SKGLB in einem unvorstellbaren Barbarenakt, mangels Denkmalschutz, von einem Abbruchbagger niedergewalzt wurde, um Platz für einen lächerlichen Parkplatz eines Autohändlers zu machen.

Unvorstellbarer Barbarenakt zerstört SKGLB -Werkstatt um einen Parkplatz zu schaffen! Dümmer geht's ja wohl wirklich nicht!

Hier wurde der fundamentalistische Glaubenskrieg „Auto gegen Eisenbahn“ sogar auf die Spitze getrieben! Das schmerzt jeden, der nur einen Funken an Kulturverständnis hat und der mangels funktionierendem Denkmalschutz nur den Kopf schütteln kann! Auf die Anfrage bei der Landeskonservatorin des Bundesdenkmalamtes wurde erklärt, man habe den Fall geprüft und „festgestellt, dass das Objekt keinerlei öffentliches Interesse genießt und keine Schutzwürdigkeit festgestellt werden konnte!“ Diese Aussagen muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! Obwohl die Salzkammergut Lokalbahn seit 64 Jahren „eingestellt“, sprich „zerstört“ ist, gilt sie auch heute noch „… als die weltweit bekannteste Eisenbahn überhaupt …“! Soweit zum Originalton eines englischen Vorstandsmitgliedes der FEDEC-Rail, dem europäischen Dachverband der Nostalgie- und Touristik-Bahnen. Da erkennt das Bundesdenkmalamt „.… kein öffentliches Interesse … und …keine Schutzwürdigkeit“?

Die legendäre SKGLB Salzkammergut-Lokalbahn gilt als die bekannteste Eisenbahn der Welt, selbst über 60 Jahre nach der Zerstörung. Nur der Denkmalschutz findet kein Interesse.

Ein schwarzer Tag, der letzte Tag mit der größten Demonstration über Jahrzehnte mit über 5.000 Teilnehmern mit Sonderzügen und Protestmarsch auf den Residenzplatz. Der Bahnhasser und -Zerstörer Landeshauptmann Dr. Klaus hat die Demonstranten nicht einmal empfangen. Damals hatte man offensichtlich noch nicht gewusst, was "Demokratie" heißt!

Der denkmalgeschützte älteste Bahnhof Kontinentaleuropas „Engelhof“ vergammelt

Selbst ein denkmalgeschütztes Gebäude kann vergammeln, wenn sich niemand darum kümmert. In Gmunden steht der älteste noch immer durchgehend in Betrieb befindliche Bahnhof Kontinentaleuropas (nur englische sind älter), der Bahnhof „Engelhof“. Dieser Bahnhof wurde 1834, also vor sagenhaften 187 Jahren, für die Verlängerung der Pferdeeisenbahn von Budweis über Linz zum Traunsee nach Gmunden gebaut. Nur ein Bahnhofsgebäude gilt als älter, nämlich vom Bahnhof "Bujanov" im tschechischen Kaplice, nahe Český Krumlov (Krumau), das heute als Pferdebahn-Museum genutzt wird.

Der Bahnhof „Engelhof“ erlebte Züge der Pferdeeisenbahn, der ÖBB und, heute noch, die modernen Regionalstadtbahn-Triebwagen der „Traunseebahn“ von Stern & Hafferl. Das Bahnhofsgebäude war immer im Besitz der ÖBB, die heute offensichtlich kein Interesse mehr zeigen, weil die Gleise nach Laakirchen längst herausgerissen sind und keine ÖBB-Güterzüge mehr bis Gmunden-Seebahnhof, über Engelhof, kommen.

Der älteste durchgehend in Betrieb befindlicher Bahnhof Kontinentaleuropas, der Bahnhof "Engelhof" in Gmunden am Traunsee, ist zwar denkmalgeschützt, vergammelt allerdings zusehends, mangels Interesse des Eigentümers, der ÖBB. Risse im Mauerwerk, verwitterte Bauplatten und kaputte Leuchten, die einmal beleuchtete Bahnhofsschilder waren, zeigen die kulturlose Verwahrlosung!

Man hat Fenster und Türen mit unansehnlichen Brettern vernagelt, das Bauwerk hat mittlerweile Risse und die ursprünglich schönen beleuchteten Bahnhofsschilder sind auch nur mehr Schrott. Man kann nur hoffen, dass der „Bautrupp von Straßwalchen“ mit der Spitzhacke und dem ominösen Sack Chlorkalk nicht auch nach Engelhof kommt, um „klare Verhältnisse“ in Form einer asphaltierten Parkplatz-Fläche, wie in Salzburg-Sam anstelle der SKGLB-Werkstatt, zu schaffen. „Denkmalschutz“ heißt in Österreich offensichtlich noch lange nicht, dass das „Denkmal“ auch „geschützt“ werden muss (siehe Achenseebahn). Das Bahnhofsgebäude von Engelhof würde sich, natürlich renoviert, als Eisenbahnmuseum im „Eisenbahnland Oberösterreich“ anbieten und wäre für Gmunden eine zusätzliche touristische Attraktion!

Fachkompetenter Denkmalschutz bei Eisenbahnen findet nur privat und nicht im Bundesdenkmalamt statt.

Das Fazit von so viel Unwissenheit lässt nur einen Schluss zu, nämlich, dass es im Bundesdenkmalamt keinen Experten über das Eisenbahnwesen gibt. Jedem Modelleisenbahner in Österreich ist die „Ischlerbahn“ ein Begriff, warum nicht den Leuten vom Bundesdenkmalamt? Besonders sei noch auf den ÖMT-Verband Österreichischer Museums- und Touristikbahnen hingewiesen, der mit viel Fachkompetenz die Arbeit der vielen ehrenamtlichen Wahrer des Kulturerbes Eisenbahn in Österreich koordiniert. Der ÖMT ist auch Teil der FEDEC-Rail.

Dringende Anpassung der Denkmalschutz-Gesetze bezüglich „Industriezeitalter & Eisenbahnen“

Das „Trauerspiel Abriss SKGLB-Werkstatt“ und die fanatische Hetzjagd gegen die Achenseebahn zeigt ein grundlegendes Problem im österreichischen Denkmalschutz auf, nämlich die fehlende Fachkompetenz über den komplexen Bereich der vielfältigen Schienenbahnen. Hier ist für den Gesetzgeber auf Bundesebene dringender Handlungsbedarf gegeben. In die Denkmalschutzgesetze müssen dringend die „Industriedenkmäler“ und hier speziell die, die Kulturdenkmäler des „Eisenbahnwesens“ in allen Facetten bis hin zu Straßenbahnen sowie Feld- Wald- und Industriebahnen, ins Gesetz mit aufgenommen werden. Bei den Industriebahnen ist exemplarisch die Grubenbahn im Halleiner Salzbergwerk zu nennen, wo zeitgleich zur Zerstörung der SKGLB-Werkstätte die jahrhundertalte Wolfdietrich-Stollen-Bahn in Hallein eliminiert wurde!

Bei der Gesetzesanpassung in den Denkmalschutz-Gesetzen drängt die Zeit, denn je länger man wartet, umso mehr verschwindet unwiederbringlich wertvolles Kulturgut! In diese Gesetzesfindung müssen unbedingt die Experten der Österreichischen Unesco-Kommission, die österreichische ICOMOS, Europa Nostra und die Österreichische Welterbekonferenz eingebunden werden. Sie sind die einzigen Fachleute, die die Bedeutung der Achenseebahn als lebendiges Weltkulturerbe im Vollbetrieb und nicht als am Betonsockel affichierte Technik-Leiche erkannt haben.

Österreich ist ein Eisenbahnland ohne definiertem Denkmalschutz

Die Festlegung der ACHENSEEBAHN als erste der „7 meistgefährdeten Kulturerbestätten Europas“ ist eine veritable „Kulturschande“ in einem Land aus dem berühmte Künstler, Konstrukteure und Architekten wie Mozart, Makart, Schiele, Klimt, Otto Wagner, Alois Negrelli, Franz-Anton Gerstner, Karl Ritter von Ghega, Moriz Gelinek und Carl Gölsdorf stammen, wofür sich Österreich gerne als „Kulturstaat“ selbst betitelt. Bei den letzten sechs berühmten Österreichern handelt es sich um geniale Menschen aus dem Bereich der Eisenbahn, die alle Weltruhm erlangt haben und den Namen Österreich in die Welt tragen! Österreich ist ein ausgeprägtes Eisenbahnland, das heute mehr den je für Tunnelbau, Gleisbau bzw. Schienenfahrzeugbau bekannt ist und es ist sogar mehrfach unlogisch, wenn die Eisenbahnen im Denkmalschutz keinen Niederschlag finden!

Die Rettung der ACHENSEEBAHN vor der Zerstörung ist oberstes Ziel, eine Lok-Leiche am Sockel wäre eine Schande !

Die Aufnahme der ACHENSEEBAHN in die Liste der „7 meistgefährdeten Kulturerbestätten Europas“
ist, angesichts der eisenbahnfeindlichen Landespolitik in Tirol ein gewaltiger Aufschrei und Hilferuf an alle vernunftbegabten Menschen, um die Achenseebahn wieder, im wahrsten Sinne des Wortes, in geordnete Bahnen zu lenken!

Aufruf zur Mitteilung von historisch bedeutenden Eisenbahnanlagen in Österreich!

Die Museumsbahn im Salzburger Freilichtmuseum Großgmain hat fünf Bahnhöfe, die den Salzburger Bezirken entsprechen, die in Salzburg "Gaue" heißen. Bei den Bahnhöfen findet man die Objekte, die im Original aus den entsprechenden Gauen stammen.

Unsere Redaktion von www.in-motion.me ruft alle engagierten Menschen auf, uns historisch bedeutende denkmalschutzwürdige Bahnanlagen bekannt zu geben. Wir werden alle Hinweise sammeln und auf unserer Eisenbahn und Mobilitäts-Info-Plattform in-motion.me veröffentlichen. Vielleicht wird sogar einmal ein Atlas der historisch wertvollen Eisenbahnanlagen in Österreich daraus?

Das ist ein gewaltiger Aufschrei und Hilferuf!

Fries Bahnhof Breitenschützing