Bock wird zum Gärtner, Fortsetzung „Trauerspiel Achenseebahn“

07. Februar 2021, 20:00 Uhr von Richard Fuchs

Hätte man der Achenseebahn AG die 3,18 Mio Euro gesetzlich vorgesehenen Infrastrukturmittel 2015 bezahlt, dann hätte man über die notwendigen Mittel nie sprechen müssen, weil man dann die Achenseebahn nicht in den Konkurs getrieben hätte!

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Presseinformation & offener Brief - Verein "Die Rote Elektrische" Salzburg

Feindliche Übernahme durch die Zillertalbahn trotz Dementi

Obwohl die Zillertalbahn mehrfach jede Bestrebung einer feindlichen Übernahme der konkurrierenden Achenseebahn dementiert hatte, soll sie jetzt trotzdem, laut Tiroler Tageszeitung, durchgeführt werden! Feindliche Übernahmen durch Konkurrenten dienen üblicherweise dazu, um den Mitbewerber auszuschalten. Nachdem erst dementiert, aber danach doch die Übernahme beschlossen wird, ist vom Ausschalten, bzw. Eliminieren der Achenseebahn als strategisches Ziel, auszugehen. Was hat die Zillertalbahn davon, die Achenseebahn als völlig anderes artfremdes Eisenbahnunternehmen betreiben zu wollen?

Was haben die Achenseebahn und die Zillertalbahn gemeinsam? Beide beginnen in Jenbach, dem Bahnhof mit drei Spurweiten, beide sind Schmalspurbahnen, beide sind Eisenbahnen und beide sind in Tirol. Damit hat es sich aber schon mit den Gemeinsamkeiten. Die Zillertalbahn kämpft mit sich selbst und die Achenseebahn wird von der Tiroler Landespolitik bekämpft! Alles in allem ist der Achenseebahn-Skandal ein schlimmes Trauerspiel, weil eine politisch gewollte Hinrichtung einer wirtschaftlich betriebenen Bahn..

Defizite bei der Handschlagqualität des Landes Tirol

Hätte man der Achenseebahn AG, die 3,18 Mio Euro gesetzlich vorgesehenen Infrastrukturmittel (MIP, Mittelfristiges Investitionsprogramm), wie früher schon, für die Bahnerhaltung weiter bezahlt, wie man jetzt angeblich auch bereit ist, dieselben gesetzlichen Mittel an die Zillertalbahn zu bezahlen, dann hätte man über die notwendigen Mittel nie sprechen müssen, weil man dann die Achenseebahn nicht in den Konkurs getrieben hätte, weil diese ja bekanntlich als einzige Privatbahn in Österreich ihren Fahrbetrieb selbst finanzieren konnte!

Die Weichen in Richtung Zukunft der Bahn als kombinierte Tourismusbahn und moderne Nahverkehrsbahn war bereits gestellt, als die Tiroler Landespolitik die gesetzlich zur Verfügung gestellten MIP-Mittel 2015-2019 bewusst verweigerte, um die Bahn in den Konkurs zu zwingen! Das Gleisbaumaterial und die Nahverkehrstriebwagen stünden längst bereit. Es kann der friedlichste Mensch nicht Ruhe leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt! Das ist aber noch ein anderes Thema.

Die Achenseebahn hat von 2014-2018 in schwarzen Zahlen bilanziert und war auf dem besten Weg in die Zukunft eines modernen Nahverkehrsunternehmens, hätte das Land Tirol das, durch den Entzug der MIP-Mittel 2015-2019, nicht verhindert. Da ging es um 3,18 Mio. Euro, die durch die Nichtzahlung des Landes Tirol die Achenseebahn in die Insolvenz getrieben hat. Jetzt wird schon wieder, wie so oft, vom Land Tirol, die Behauptung aufgestellt, die Achenseebahn, unter angeblich neuem Eigentümer Zillertalbahn, weiter betreiben und dazu 3,1 Mio Euro vom Land Tirol bezahlen zu wollen.

Abgesehen davon, dass Zahlungsankündigungen des Landes Tirol in den letzten Jahren nie oder nur teilweise tatsächlich Realität wurden, stellt sich schon die Frage, warum das Land Tirol nicht gleich 2015 die 3,18 Mio MIP-Mittel bezahlt hat, besonders weil der Bund ja ohnehin schon die Hälfte dafür bezahlt hat. Wenn man der Achenseebahn wirklich „helfen“ hätte wollen, hätte man ganz einfach den Betrag schon damals der Achenseebahn AG anweisen müssen. Aber genau das wollte man nicht, aus welchen Gründen auch immer!

Glaubt irgend jemand allen Ernstes, dass das Land Tirol daran denkt, die Achenseebahn tatsächlich weiter betreiben zu wollen?

Warum sollte irgendjemand glauben, dass das Land Tirol, mit seiner abartigen Handschlagqualität, auch nur im Geringsten daran denkt, auch nur einen Cent zu bezahlen? Das sind wohl nur mediale Nebelgranaten, um irgendeinen „Schwarzen Peter“ zu suchen, dem man die Schuld um die Zerstörung der Achenseebahn umhängen kann! Die wahren Gegner der Achenseebahn Felipe, Geisler, Hörl und Wallner wollen sich abputzen und werden wahrscheinlich auch noch die Chuzpe haben, sich als „Retter der Bahn“ verkaufen zu wollen!

Die UNESCO-Welterbe-Kommission, ICOMOS-Austria und Europa Nostra haben ein gutes Gespür dafür, was wirklich gefährdet ist und betrachtet bekanntlich schutzwürdige Eisenbahnen als Industriedenkmäler, die unter Schutz zu stellen sind. Das Österreichische Bundesdenkmalamt sieht das allerdings völlig anders. Für diese Bundesinstitution hat die Entwicklung der Eisenbahn an der technischen Revolution keinerlei Bedeutung und daher sieht das BDA kein Problem, wenn solche wertvollen Kulturdenkmäler zerstört werden. Damit sind BDA und das Land Tirol offensichtlich einer Meinung!

Das Bundesdenkmalamt will die Unterschutzstellung der Achenseebahn als Weltkulturerbe der UNESCO verhindern.

Ausgerechnet das Bundesdenkmalamt in Tirol lieferte einen eindeutigen Beweis, dass geplant ist, die Bahn zu zerstören und irgendwelche „historischen Leichenteile der Bahn“ im Gelände zu trappieren. Nahezu gleichzeitig zur Behauptung, für die Achenseebahn über den nicht gerade freundlich gesinnten Konkurrenten Zillertalbahn 3,1 Mio. Euro bezahlen zu wollen, wurde bekannt, dass das Bundesdenkmalamt, ähnlich wie bereits die Staatsanwaltschaft Innsbruck, sehr wahrscheinlich vom Land Tirol die Order erhalten hat, die Achenseebahn endgültig zu zerstören.

Nur so ist zu erklären, dass von den vier Dampflokomotiven ausgerechnet die nicht betriebsfähige Lok 2 erhalten bleiben soll, aber nicht die drei betriebsfähigen anderen. Erhalten bleiben soll nur die Trasse der Bergstrecke zwischen Jenbach und Eben, vermutlich als späterer Wanderweg. Die restliche Strecke soll offensichtlich eliminiert werden! An einen Betrieb ist längst nicht mehr gedacht! Es soll also, nach dem Willen des Landes Tirol die Unterschutzstellung der Achenseebahn als UNESCO-Weltkulturerbe ausgehebelt und damit verhindert werden.

Dass das Bundesdenkmalamt eine gespaltene Einstellung zu Eisenbahnen als Industriedenkmäler hat, ist schon aus Salzburg bekannt. Einerseits wurden Fahrzeuge der Salzburger Lokalbahn betriebsfähig unter Schutz gestellt und andererseits wurden alle historisch wertvollen Denkmäler der früheren Salzkammergut-Lokalbahn, wie die SKGLB-Werkstatt in Salzburg-Sam, bewusst zerstört. Dasselbe Schicksal hat auch die historisch bedeutende Wolf-Dietrich-Stollenbahn des Salzbergwerkes Hallein-Dürrnberg erfahren. Sie wurde ebenfalls unwiederbringlich zerstört.

Achenseebahn als Spielwiese der Eitelkeiten

Spätestens seit dem Serchinger-Gutachten sollte bekannt sein, dass eine kohlebefeuerte Dampflokomotive weniger schädliche Abgase produziert, als ein normaler Dieselbus. Eine kohlebefeuerte Dampflok stößt heißes Wasser und natürlich abbaubaren Ruß aus, der für Mensch und Natur völlig unbedenklich ist, weil er selbst ein Naturprodukt ist und als Grobstaub, im Gegensatz zum Feinstaub aus Erdölprodukten, niemals in die Lungen kommen kann. Der Landeshauptmann-Stellvertreterin Felipe wird von ihren Mitstreitern der Spruch „raucht, stinkt, muss weg“ in den Mund gelegt. Dies würde auf völlige Unkenntnis Felipes über die Sachlage bezüglich „Dampfeisenbahn“ hinweisen!

Sie hat, zusammen mit den Bürgermeistern von Jenbach, Achenkirch und Eben, am 16. Februar 2015 beschlossen, der Achenseebahn die gesetzlich vorgesehenen MIP-Mittel 2015-2019 in Höhe von 3,18 Mio. Euro vorzuenthalten, um die Bahn wirtschaftlich in die Knie zu zwingen, was ihr nach fünf Jahren, trotz positiver Bilanzen des Bahnunternehmens, mit dem Konkurs-Antrag letztlich doch noch gelungen ist. Weil Egomanen schwer oder eher gar nicht Fehler eingestehen können, wie man von Donald Trump weiß, und Frau Felipe nicht mehr wusste, wie sie aus der „Nummer vom 16.2.2015“ herauskommt, hat sie das Aushungern der Achenseebahn bis zum bitteren Ende, das allerdings noch aussteht, durchgezogen. Gesetzliche „Unebenheiten“ konnte sie locker wegstecken, weil es dazu ja einen Freibrief der Staatsanwaltschaft Innsbruck unter der Aktenzahl „8 UT 45/20p-1“ gibt.

Es bedarf schon einer gewissen Unverfrorenheit von Landeshauptmann-Stv. Josef Geisler, wenn er sich beim 125-Jahrjubiläum 2014 vor der Remise der Achenseebahn in Jenbach hinstellt und lautstark sinniert, wie wichtig eine modernisierte Achenseebahn als Nahverkehrsbahn für die Region Achensee wäre, während er längst mit dem Landeshauptmann Platter und dem mächtigsten Mann in Tirol, dem Seilbahnchef der Wirtschaftskammer und Mega-Multi-Parteifunktionär Franz Hörl, beschlossen hat, die Achenseebahn auszuhungern.

Bei einer Landmaschinenschau 2017 in Aschau/Zillertal rief ein ziemlich rüpelhafter Mann dem Geschäftsführer der Achenseebahn zu:

„Georg führ‘ di net so auf, die depperte Achenseebahn is eh scho hii!“

Es war der oberste Seilbahnbetreiber und Aufsichtsrats-Vorsitzende der Zillertalbahn Franz Hörl! Hochinteressant war der Zeitpunkt im Frühjahr 2017, zu dem sonst noch niemand vermuten konnte, dass das Land Tirol die Achenseebahn kompromisslos in den Konkurs schicken will! Das hat der „mächtigste Mann in Tirol“ im Frühjahr 2017 offensichtlich „schon gewusst“. Wie mächtig dieser Mann ist, hat dann der Corona-Skandal in Ischgl 2020 gezeigt, in dem der Mega-Multi-Parteifunktionär, der zufällig auch noch Nationalrats-Abgeordneter ist, maßgeblich beteiligt war.

Dass zeitgleich zum Betreiben des Konkurses „zufällig“ ein Seilbahn-Projekt Jenbach – Achensee aufgetaucht ist, darf schon keinerlei Verwunderung mehr auslösen!

Eine ganz besondere Rolle spielt der Jenbacher Bürgermeister Dietmar Wallner, der am 16. Februar 2015 mit seinen Bürgermeisterkollegen aus Eben am Achensee und Achenkirch, die alle Mitglieder des Aufsichtsrates der Achenseebahn sind, zusammen mit verbissenen Eisenbahngegnern in einem Gespräch mit Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe beschlossen haben, dem Land Tirol zu empfehlen, die MIP-Mittel 2015-2019 in Höhe von 3,18 Mio. Euro der Achenseebahn zu verweigern, um das Unternehmen bewusst in wirtschaftliche Schwierigkeiten zu stürzen.

Die Tiroler Tageszeitung lud am 19. Februar 2019 in der Landwirtschaftsschule Rotholz zu einer Publikumsdiskussion über die Zukunft der Achenseebahn. Damals glaubte man noch an Zahlungen des Landes Tirol. Der Jenbacher Bürgermeister Wallner behauptete, der Achenseebahn-AG-Vorstand ließe die Aufsichtsratsmitglieder ohne Informationen. Achenseebahn-Vorstand Mag. Fuchshuber stellte klar, dass alle Aufsichtsratsmitglieder jeden Monat einen schriftlichen Bericht erhalten.

Das war der Beginn der wirtschaftlichen Entwicklung, die letztendlich 2020 in der Konkurs-Anmeldung mündete. In der Gemeinde Jenbach wurde gegen die Achenseebahn zeitgleich Stimmung gemacht, was dem Wunsch vieler Menschen in der Bevölkerung entsprach, die Bahn zerstören zu wollen. Die direkten Anrainer spekulieren damit, ihre Grundstücke um die angrenzenden Bahngründe kostengünstig bis gratis erweitern zu können. Dazu schien der Bürgermeister ein Garant zu sein. Bei einer Diskussionsveranstaltung der Tiroler Tageszeitung am 19. Februar 2019 in Rotholz stellte der Chefredakteur Mario Zenhäusern Bgm. Wallner die Frage, ob er wirklich nicht über die Beschaffung der Appenzellerbahn-Triebwagen informiert wurde. Bgm. Wallner stellte die Behauptung auf, als Aufsichtsratsmitglied überhaupt nie irgendwelche Informationen vom Achenseebahn-Vorstand erhalten zu haben. Achenseebahn-Vorstand Fuchshuber hielt dagegen, dass alle Aufsichtsratsmitglieder jeden Monat einen schriftlichen Bericht über alle Aktivitäten erhalten haben, auch Bgm. Wallner.

Offensichtlich gibt es bei den betroffenen Personen, deren Lebensziel die Zerstörung der Achenseebahn zu sein scheint, so etwas wie einen Realitätsverlust. Man versteht ja wirklich nicht, warum man ein wirtschaftlich funktionierendes Unternehmen, das in schwarzen Zahlen bilanziert, bewusst durch Entzug von gesetzlich vorgesehenen finanziellen Mitteln in den Ruin getrieben werden soll. Da fallen einem nur mehr persönlich motivierte Machtgelüste von Egomanen, auf einer obskuren Spielwiese der Eitelkeiten ein. Logik ist da Lichtjahre von jeder Vernunft entfernt. So muss halt eines der wichtigsten Tourismusziele in Tirol über die Klinge springen, nur weil ein paar Egomanen ihre Machtgelüste ausleben wollen und leider auch können

Die Achenseebahn hätte die Chance, als moderne und wirtschaftliche Nahverkehrsbahn, würde die Politik nicht in den operativen Bereich eingreifen und lediglich die gesetzlich vorgesehenen Infrastrukturmittel bereitstellen.